Das Bienenjahr in der konventionellen Imkerei

Bei der konventionellen Imkerei würde das Bienenjahr schon ganz anders beginnen, da es hier üblich ist, Schwärme zu verhindern (Schließlich kann bei einem Bienenvolk, das Schwärme abgeben hat weniger Honig geerntet werden). Zur Schwarmverhinderung werden verschiedene Maßnahmen ergriffen: Einerseits werden von den Bienen angelegte Weißelzellen ( = Die Zellen, in denen Königinnen aufwachsen) herausgebrochen bzw. kaputt gemacht. So wird schon mal verhindert, dass das Bienenvolk überhaupt neue Königinnen aufziehen kann. Um “Sicher zu gehen”, dass auch wenn mal eine Weißelzelle vom Imker übersehen wurde das Bienenvolk trotzdem nicht schwärmt geht der konventionelle Imker einen Schritt weiter:
Bei der existierenden Königin werden die Flügel kurz nach dem Hochzeitsflug (wo sich die Jungkönigin mit mehreren Drohnen paart) gestutzt, sodass die Königin ab diesem Moment nicht mehr fliegen kann. Sollte der Imker also eine Weißelzelle übersehen und der Schwarm mit der “alten” Königin abfliegen will, so wird das nicht gehen. Die Schwarmbienen fliegen heraus, lassen sich eventuell schon in einem Ast nieder, aber die Königin fehlt – Denn diese versucht zwar auch heraus zu fliegen, kann aber aufgrund der gestutzten Flügen nicht mehr fliegen, weshalb sie meist irgendwo vor dem Bienenstock auf der Erde liegt (Der Abflugversuch scheiterte, weshalb die Königin zu Boden fiel). Die Schwarmbienen stellen also fest, dass die Königin fehlt und kehren zurück zum Bienenstock.
Inzwischen gibt es einige weitere, teils noch brutalere Maßnahmen zur Schwarmverhinderung, auf die ich nicht weiter eingehen werde.

Da es in der konventionellen Imkerei (so gut wie) keine Schwärme gibt, kann ich gar nicht bei der Geburt des Bienenvolks in dem Sinne anfangen. Halbwegs vergleichbar wäre höchstens ein Ableger-Volk, worauf ich aber erst später zu sprechen komme. Im frühen Sommer, also in der Schwarmzeit, ist der konventionelle Imker etwa wöchentlich an den Bienenvölker zugange. Diese Häufigkeit bei der sog. Durchsicht ist durch das Schwärmen bedingt. Ein Bienenvolk, welches schwärmen will, versucht ja Weißelzellen für neue Königinnen anzulegen. Legt die (“alte”) Königin in diese Weißelzelle nun ein Ei, so befindet sich dieses 3 Tage lang im Ei-Stadium. Darauf folgen 5 Tage, wo die neue Königin (wenn man es schon so nennen kann) im Madenstadium ist. Die Weißelzelle ist immer noch oben geöffnet, also noch nicht verdeckelt. Im Anschluss an diese 5 Tage folgt der Puppen-Zustand. Davor wird die Zelle von Arbeiterinnen mit Wachs verschlossen, also verdeckelt.

Ein erster Schwarm würde frühestens 4-5 Tage vor dem Schlüpfen einer neuen Königin losfliegen (eher noch etwas später). Daher kommt es, dass der konventionelle Imker in der Schwarmzeit etwa einmal pro Woche (oder auch alle 8 Tage) bei den Bienenvölkern eine komplette Durchsicht macht, um auf alle Fälle bestiftete Weißelzellen (also Weißelzellen mit einem Ei) zu vermeiden.

Zur Ablegerbildung in der konventionellen Imkerei: Bei starken Völkern wird im Frühjahr ein Teil der Brutwaben (mit frischer Brut) sowie ein Teil der Bienen des Volkes herausgenommen und in eine neue Beute gegeben. Häufig wird zu Beginn auch zugefüttert. Dieser Ableger wird i.d.R. etwa 3-5 km vom alten Bienenstand entfernt aufgestellt, um zu verhindern, dass die Flugbienen des Ablegers zurück zum Muttervolk fliegen und somit der Ableger geschwächt wird. Nun ist es entweder so, dass die Bienen im Ableger aus der vorhanden frischen Brut eine Zelle zu einer Weißelzelle umbauen und somit sich eine neue König “heranziehen”. Viele Imker möchten jedoch eine solche Königin nicht, sondern nutzen anstattdessen eine Zuchtkönigin.

Eine Zuchtkönigin wird von Imkern / Bienenzüchtern mit Hilfe eines weißellosen Volk (also ein Volk ohne Königin) gemacht. Hier wird ein spezielles Rähmchen reingegeben, auf dem keine Mittelwand vorhanden ist, sondern in ein oder mehreren Reihen kleine “Plastikzellen” im Format von Weißelzellen. Hier hat ein Imker zuvor ein Bienenei mit Hilfe eine speziellen Pinzette hineingelegt. Ein solches Zuchträhmchen hat, je nach Modell variierend, mindestens 6 aber eher noch viel mehr Weißelnäpfe aus (i.d.R.) Kunststoff. Der Imker gibt das Rähmchen dem weißellosen Pflegevolk. Nach einiger Zeit kann beobachtet werden, ob und welche Weißelnäpfchen von den Bienen “gepflegt” werden. In den gepflegten Zellen entwickeln sich nun neue Bienenköniginnen, die der Züchter mitsamt Weißelnapf rechtzeitig entnimmt und entweder für eigene Völker nutzt oder an andere Imker verkauft.

Da bei einem Ableger irgendwelche Bienen aus dem Volk entnommen werden, tritt kein Reinigungsprozess ein, wie es beim Schwärmen der Fall ist (Ein Schwarm besteht wie gesagt immer aus den gesündesten Bienen des Volkes). Des Weiteren ist so eine Ablegerbildung sowohl für das Muttervolk eine Schwächung, da plötzlich erstens Bienen verschwunden sind und zweitens auch noch Brutwaben weg sind, als auch für den Ableger keine ideale Startbedingung. Grund dafür ist, dass die Bienen nicht für die Gründung eines neuen Bienenvolks vorbereitet waren, wie es bei einem Schwarm der Fall ist.

Ein Ableger bewohnt meist zunächst eine Zarge (ein Teil der Beute; je nach System passen pro Zarge etwa 8 – 12 Waben hinein). Je nach Entwicklung des Volkes wird zum Sommer hin entweder ein 2. Brutraum und/oder ein Honigraum (Honigraum eher selten) aufgesetzt. In einem solchen Fall, wo schon ein Honigraum aufgesetzt wird, wird schon bei diesem jungen Volk Honig abgeerntet. Häufig wird ein Ableger aber im ersten Jahr erstmal auf zwei Bruträume (also 2 Zargen, wo die Bienen Brut ablegen, ein paar Eigenvorräte sowie natürlich auch etwas Pollen einlagern können) gebracht.

Besonders am Anfang muss bei einem Ableger das Flugloch verengt werden, da sonst eine hohe Gefahr der Räuberei besteht.

Als Räuberei bezeichnet man den Zustand, wenn Bienen von anderen Bienenvölkern in ein Volk eindrigen, um dort von deren Vorräten zu räubern. Besonders in Zeiten, wo wenig Tracht in der Landschaft zu finden ist, tritt Räuberei auf. Interessant ist hierbei die Beobachtung, dass besonders Ableger und schwache Wirtschafsvölker als Opfer der Räuberei betroffen sind, Naturschwärme jedoch seltener.

Sollte bei dem Ableger schon Honig geerntet worden sein, wird direkt nach der Entnahme zugefüttert. Dies geschieht mit Zucker, der in verschiedenen Formen hinzugegeben wird. Zum einen gibt es da die sogenannte Trockenfütterung mit Futterteig und zum anderen die Nassfütterung mit Zuckersirup. Auf die Fütterung werde ich nicht weiter eingehen, bis auf das Detail, dass einfacher Zucker niemals annähernd einen Ersatz für echten Blütenhonig bilden kann.

Im Juli / August folgt häufig die erste Varroa-Behandlung. Viele Imker nutzen hierfür Ameisensäure, die auch verschiedene Weisen zum Verdunsten in die Bienenvölker gegeben wird. Die Ameisensäure soll bestehende Varroamilben im Volk abtöten, jedoch ist auch bekannt, dass die Ameisensäure-Behandlung eine extreme Schwächung des Volkes darstellt. Teilweise wurde beobachtet, dass Völker kurz nach einer Behandlung “eingingen”. Doch das führt für diesen Artikel zu weit.

Kleiner Exkurs, wo ich gerade bei Varroa-Behandlungen bin… In der konventionellen Imkerei werden Rähmchen eingesetzt, in die Mittelwände aus Wachs eingelötet werden. Auf diesem Mittelwänden ist bereits eine Prägung des Wabenmusters in Größe von Arbeiterinnenzellen. Für Drohnenzellen ist hier kein Platz angedacht. Für Drohnen setzen viele Imker sog. Drohnebaurähmchen ein. Das sind Rähmchen, in denen keine Mittelwand eingelötet ist – also leere Holzrähmchen. Dies ist in “normalen” Magazinbeuten der einzige Ort, wo die Bienen Platz für Drohnenbau haben. Also wird meist das gesamte Rähmchen mit Drohnenzellen vollgebaut. Sobald die Zellen bestiftet (also mit Ei) sind und ein Großteil der Zellen verdeckelt ( mit Wachs verschlossen) ist, entnimmt der Imker das Rähmchen, schneidet die gesamte Wabe heraus und packt das leere Rähmchen wieder herein. “Warum das?”, fragen sich bestimmt jetzt einige. Das hat den folgenden Grund: Varroamilben setzen sich zur Vermehrung in Brutzellen hinein, kurz bevor diese verdeckelt werden. So haben die Milben genügend Zeit, sich zu vermehren. Drohen benötigen länger, bis sie Schlüpfen, somit haben die Varroa-Milben mehr Zeit zur Vermehrung. Daher sagt man, dass die Milben sich bevorzugt in Drohnenzellen setzen. Das dieser Eingriff einen enormen Stress für die Bienen verursacht, wird oft vergessen.

Im Herbst wird dann die vollständige Einfütterung für den Winter vorgenommen – auch hier mit Zucker. Inzwischen wird auch weniger häufig in die Bienenvölker geschaut – immerhin besteht ja auch keine Schwarm-“Gefahr”…

Eine zweite Varroa-Behandlung wird zu Beginn der brutfreien Zeit, also nach der ersten Kälteperiode mit Nachtfrösten (i.d.R. frühestens Anfang November bis spätestens Dezember um Weihnachten) durchgeführt. Hierbei wird Oxalsäure in die Wabengassen geträufelt. In dieser Zeit haben die Bienen sich häufig schon in die Traube für den Winter begeben. Ein Öffnen des Bienenvolks zum Einträufeln der Oxalsäure ist natürlich ein totaler Kälteschock für die Bienen und sorgt für einen Temperaturabfall im Bienenstock. Es wurde beobachtet, dass Bienenvölker, die zu dieser Zeit geöffnet werden, nicht auf der natürliche “Wintertemperatur” von etwa 25° Grad bleiben, sondern nach diesem Eingriff auf die “Sommertemperatur” zurückwechseln. Somit ist der Energieverbrauch im Winter selbstverständlich extrem viel höher, als bei der natürlichen Wintertemperatur im Bienenstock. Da dadurch die Bienen mehr Honig zu sich nehmen (Schließlich muss diese “Heitz-Energie ja irgendwo herkommen), füllt sich die Kotblase über die Wintermonate deutlich schneller, als bei einem Bienenvolk mit der natürlichen Temperatur von etwa 25° Grad. Durch diesem Umstand entstehen schneller Krankheiten wie z.B. die Ruhr, eine Durchfallerkrankung.

Wenn es eintritt, dass die Kotblase der Bienen gefüllt ist, es draußen aber noch so kalt ist, dass die Bienen nicht rausfliegen können um dort abzukoten, dann sind sie gezwungen dies im Bienenstock zu machen. Da die Bienen einen besonders stark ausgeprägten Putztrieb haben, “schlecken” andere Bienen diesen Kot dann wieder auf, wobei auch verschiedene Keime und Krankheitserreger mit aufgenommen werden können. In schweren Fällen können so ganze Bienenvölker über Winter sterben.

Im Frühjahr führen manche konventionelle Imker eine sogenannte Reizfütterung durch. Durch das Zugeben von Futter (wieder in Form von Zucker) wird den Bienen noch vor Anbruch der Trachtzeit vorgegaukelt, dass es wieder Futter gäbe. So fängt die Königin früher zu brüten an.
Je nach Stärke des Bienenvolks wird im Frühjahr eine weitere Zarge aufgesetzt. Diese nennt man den ersten Honigraum. Zwischen den Bruträumen und dem Honigraum fügen fast alle Imker ein Absperrgitter ein, durch welches nur die Arbeiterinnen hindurchpassen (Sowohl die Königin als auch die Drohnen passen hier nicht durch). So wird sichergestellt, dass der Honigraum frei von Brut ist, sondern reinen Honig (ggf. etwas Pollen) enthält.
Dabei ist es aber so, dass wissenschaftliche Untersuchungen herausgestellt haben, dass Bienen im Volk besonders über Düfte und Schwingungen kommunizieren. Der “wichtigste” Duft ist hierbei der Duft der Königin, der im Idealfall im gesamten Bienenstock verteilt ist. Da die Königin, durch das Absperrgitter verhindert, nicht in den oberen Honigraum gelangen kann, wird hier auch nicht der Königin-Duft verteilt. Welche Auswirkung das hat, ist noch nicht genauer erforscht, ich kann mir jedoch vorstellen, dass dies nicht förderlich ist.

Bei starken Trachtzeiten kann es sogar vorkommen, dass ein zweiter Honigraum aufgesetzt wird, wenn der erste schon stark befüllt ist. Ein solch starkes Volk würde also auf vier Zargen sitzen.

Wenn der Raps verblüht ist, wird von vielen konventionellen Imkern das erste mal der Honig abgeerntet. Beim sog. Wanderimkern wird teils schon früher und noch häufiger abgeerntet, doch das führt jetzt zu weit. Die prall mit Honig gefüllten Waben werden mit Hilfe einer Schleuder geleert. Was häufig dabei übersehen wird ist der Fakt, dass Honig auf verschiedene Umstände “reagiert”. So gelten Wärme, Licht und Luft als Faktoren, die den Zustand / die Qualität des Honigs beeinflussen. Beim Schleudern wird der Honig in ganz feinen Tropfen geschleudert und kommt so mit sehr viel Luft in Kontakt. Dadurch verliert der Honig signifikant an Qualität, wenn man es mit z.B. Wabenhonig oder Presshonig vergleicht.

In der konventionellen Imkerei wird i.d.R. zweimal jährlich der Honig abgeerntet. So wird in Deutschland durchschnittlich etwa 15-20 KG Honig pro Volk geerntet (Zahlen des DIB). Jedoch hört man von Imkern auch recht oft, dass 30-40 KG geerntet werden… Was nun stimmt, weiß der Wind .

Ganz allgemein wird in der konventionellen Imkerei bei sogenannten Durchsichten mit Hilfe einen Smokers oder einer Pfeife Rauch in das Bienenvolk gegeben. Dies soll die Bienen besänftigen. Nun ist erst einmal interessant aus welchen Grund Rauch eine solche Wirkung auf die Bienen hat. Ursprünglich ist es so, dass Rauch ein Zeichen von Feuer ist. Da Bienen natürlicherweise in Baumstämmen wohnen, ist ein (Wald-)Brand ganz schön gefährlich. Sobald also Rauch in der Luft liegt, heißt es Alarm im Bienenstock: Die Arbeiterinnen saugen sich voll mit Honig, um im Notfall sofort den Bienenstock verlassen zu können und eine Reserve in der Honigblase dabei zu haben. Der Imker nutzt diesen Effekt aus: Denn mit voller Honigblase stechen Bienen nicht mehr so gerne. Was es aber für Auswirkung für die Bienen hat, ist den meisten Imkern egal. Von den Auswirkungen auf die Honigqualität spreche ich erst gar nicht. Man stelle sich folgendes vor: In der Schwarmzeit wird den Bienen wöchentlich ein Waldbrand vorgetäuscht… Was für Auswirkungen mag das insgesamt nur haben?…