Das Bienenjahr in der Natur

In der Natur ist es so, dass ein junger Bienenschwarm sich zunächst in der Nähe des Muttervolkes an z.B. einen Ast oder einen Baum hängt. Von dort aus fliegen einzelne Bienen (sogenannte “Scouts” oder Kundschafterbienen) in der Gegend umher und schauen sich nach einer potentiellen zukünftigen Behausung um. Ursprünglich dienten dazu z.B. Baumhöhlen (diese wurden in der Regel zuerst von einem Specht gemacht / bewohnt, anschließend von Eulen und die quasi “dritte Generation” waren dann die Honigbienen).

Wenn die Kundschafterbienen eine passende Behausung gefunden haben, fliegen sie zurück zum Schwarm, der ja z.B. an einem Ast hängt. Schließlich zieht der gesamte Schwarm in’s neue zu Hause ein. Interessant zu wissen ist, dass ein Bienenschwarm i.d.R. aus den gesundesten Bienen des ursprünglichen Muttervolks besteht. Die Bienen füllen vor dem großen Abflug ihre Honigblasen voll mit Honig, sodass sie quasi für 3 Tage “Proviant” dabei haben.

In den ersten (ca.) 3 Wochen beschäftigt sich ein großer Teil der Bienen mit dem Bauen von neuen Waben. Natürlich sind auch schon von Anfang an einige Bienen damit beschäftigt, Nektar und Pollen zu sammeln, sowie die weiteren Tätigkeiten im Bienenvolk auszuführen. Innerhalb dieser Zeit schafft es ein Schwarm i.d.R. die ideale Brutnestgröße + genügend Raum für den Honigvorrat für den Winter anzulegen.

Nach diesen drei Wochen beginnt das gewöhnliche Bienenleben. Das Volk sammelt Nektar und Pollen, zieht Jungbienen auf, verarbeitet den Nektar zu Honig, produziert “Honigbrot” für die Jungbienen und so weiter… Wenn es auf den Herbst zugeht, bereitet sich das Bienenvolk intensiv auf die Winterzeit vor. Unter anderem heißt das, dass von der Königin weniger Eier für Jungbienen gelegt werden und somit das Volk zahlenmäßig kleiner wird.

Im Spätherbst bis Winter formt sich das Bienenvolk dann zu einer Traube, um die Temperatur möglicht gut auch bei Minusgraden halten zu können.

Hierzu ist folgendes spannend zu wissen: In den warmen Jahreszeiten (Ab dem Frühjahr bis zum Herbst) herrscht im Bienenstock eine konstante Temperatur von 36° C im Durchschnitt (Manche sprechen auch von 35°C). Zwar unterscheidet sich die Temperatur auf den einzelnen Waben / Bei den einzelnen Zellen, doch das hat andere Ursachen (Prof. Dr. Jürgen Tautz beschreibt das sehr gut in einem Kurzvortrag, der auf dem Hörbuch Der Bien – Superorganisumus Honigbiene zu finden ist). Im Winter liegt diese Temperatur nicht auf einem so hohen Level, sondern im Bereich um 25° Celsius. Die Bienen in der Traube benutzen Ihren Brustmuskel, der sonst auch für die Flügel zuständig ist, um eine punktuelle Temperatur von 42° an ihrer Brust zu erzeugen. So wärmen sie sich gegenseitig und halten die Temperatur aufrecht.

Den ganzen Winter über bleibt das Bienenvolk (mehr oder weniger) ungestört in dieser Traube. Dabei bewegt sich diese Traube aber Stück für Stück weiter, da für die Bienen ja die ganzen Zeit über Honig zu sich nehmen (einerseits zum Aufheizen, anderseits natürlich zur Ernährung selbst), der in den einzelnen Zellen gelagert ist. Die Bienen “wandern” also mit der gesamten Traube über die Wabenfläche.

Erst im Frühjahr, wenn die Temperaturen langsam an die / über die 10° Grad-Grenze gehen, lösen die Bienen sich aus ihrer Traube und fangen an, erste Reinigungsflüge zu machen. Hierbei geht es in erster Linie um das Abkoten, da die Bienen ja den ganzen Winter über das nicht tun konnten. Gleichzeitig bzw. schon davor fängt die Königin wieder stärker an, für Nachschub zu sorgen, also Eier zu legen.

Dann beginnen langsam und gemächlich (manchmal auch recht schnell :D) die Sammelflüge. Das aber in der Regel erst ab Temperaturen um etwa 13° Grad, da dies die geringste Temperatur für Trachtflüge ist. Im Frühjahr sammeln die Bienen so schon den Nektar, der sich ideal als Wintervorrat für den nächsten Winter eignet. Bei einem starken Bienenvolk kann es auch schon in diesem Jahr wieder einen Schwarm (oder gar mehrere Schwärme) abgeben. Häufig nutzen die Bienenvölker, die im vorherigen Jahr als Schwarm neu “gegründet” wurden, das erste Jahr aber für den Aufbau des eigenen Volkes.

Das gesamte Frühjahr über sowie natürlich auch im Sommer vergrößert sich nun das Volk, sammelt fleißig Nektar und Pollen, baut weitere Waben (sofern die Behausung Platz dafür bietet) und kümmert sich natürlich auch um Nachwuchs.